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Kohärenz und Kohäsion − Trotz des hier bevorzugten offenen Kulturbegriffes hält sich weiterhin die Vorstellung, dass sich Kulturen vor allem durch die Einheitlichkeit der zugehörigen Mitglieder auszeichnen. Dieses Kohärenz-Paradigma versteht Kultur als „das, was alle eint“. Dieser Blickwinkel erscheint auf den ersten Blick schlüssig, da sich die Angehörigen einer bestimmten Kultur leichter „einordnen“ lassen, wenn man sie im Hinblick auf ihre Gemeinsamkeiten kategorisiert. Das Kohärenz-Paradigma birgt allerdings die Gefahr, die vermeintlich einenden Kategorien allem überzustülpen und Menschen somit vorschnell in Kategorien einzuordnen, die der kulturellen Vielfalt schlicht nicht gerecht werden können.

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Deshalb wird hier analog zum offenen Kulturbegriff der Kohäsions-Ansatz bevorzugt. Dieser versteht Kultur als „das, was alle verbindet“. Kultur wird also nicht als Schablone, sondern als Kit verstanden. Die Angehörigen einer Kultur zeichnen sich gemäß dem Kohäsions-Ansatz nicht durch Homogenität und Einheitlichkeit, sondern durch Heterogenität und Multikollektivität aus. Sie sind untereinander vielfach vernetzt und von außen betrachtet nicht automatisch als Mitglieder einer bestimmten Kultur zu erkennen. (vgl. Rathje, S.: Interkulturelle Kompetenz – Zustand und Zukunft eines umstrittenen Konzepts. 2006.)

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Kommunikative Stile − Kommunikative Stile konstituieren sich im kontinuierlichen Zusammenspiel von verbaler, nonverbaler, paraverbaler und extraverbaler Kommunikationselemente und -ebenen. Verbale Kommunikation bezeichnet dabei das tatsächlich gesprochene Wort, also den Inhalt des Gesagten. Nonverbale Kommunikation bezieht sich auf den nichtsprachlichen Bereich der Kommunikation. Hier spielen Aspekte wie Mimik und Gestik eine wichtige Rolle, aber auch Symbole oder die Kleidung der Sprecher. Der Bereich der paraverbalen Kommunikation umfasst Aspekte wie beispielsweise die Lautstärke des Gesagten, die Stimmlage oder Sprechmelodie des Sprechers oder seine Intonation und Geschwindigkeit. Unter extraverbaler Kommunikation versteht man schließlich Einflüsse wie den Ort oder die Zeit der Kommunikation. Kommunikation spielt im Hinblick auf interkulturelle Kompetenz eine besondere Rolle; Sie ist das wichtigste Instrument der Verständigung, trägt also essentiell dazu bei, dass der Aushandlungsprozess in interkulturellen Situationen überhaupt zustande kommt. Sich der Facetten von Kommunikation bewusst zu sein hilft, Missverständnisse zu vermeiden und unvoreingenommen aufeinander zuzugehen.

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Kommunikationsfähigkeit − Vermögen, initiativ auf andere zuzugehen und Kommunikationsnetzwerke errichten zu können. Dies gilt vor allem dann, wenn Situationen problematisch erscheinen und man sich am liebsten zurückziehen würde.


Kommunikationsprozess – Jeder Kommunikationsprozess wird als Zusammenspiel von drei Ebenen verstanden: die mediale Ebene, die Inhaltsebene und die Beziehungsebene. Die mediale Ebene stellt die Transmissionsbedingungen dar, unter denen Informationen zwischen den Kommunikationspartnern übermittelt werden. Die Inhaltsebene umfasst nicht nur Worte, sondern auch Gesten, Laute und alle anderen Formen von Zeichen, die eine inhaltsvermittelnde Funktion besitzen. Mit jeder interpersonalen kommunikativen Handlung wird die Beziehungsebene der Interagierenden neu definiert, was wiederum Einfluss auf die weitere Gestaltung der Inhaltsebene nimmt und so weiter. Da in Kommunikationsprozessen durch das Wechselspiel von Inhalts- und Beziehungsebene permanent neue Handlungszusammenhänge erzeugt werden, ist es angebracht, Kommunikations- als Handlungsprozesse aufzufassen.

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Konsens – Das Ziel interkulturellen Handelns liegt nicht darin, einen Konsens „um jeden Preis“ zu finden. Diese häufig vertretene Meinung kann dazu führen, dass mindestens einer der Beteiligten versucht sich für eine Situation so zu verändern, und sich damit aber auch unwohl fühlt und seine eigene Identität nicht mehr entfalten kann. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, zwar im Sinne der Bedeutung des lateinischen Wortes communicare „gemeinschaftlich zu handeln“, dabei aber kulturelle Differenzen durchaus bewusst zu halten und sich darüber zu verständigen.


Konvergenzhypothese – Eine Hypothese, die besagt, dass Globalisierungsprozesse letztlich in einer Aufhebung kultureller Unterschiede münden werden („one world culture“). Ist als Gegensatz zur Divergenzhypothese zu sehen.


Kulturbegriff – Im Gegensatz zu dem zumeist auf Kunst und „Geisteskultur“ eingegrenzten Kulturbegriff des Feuilletons bezieht sich der hier bevorzugte Kulturbegriff eher auf allgemeine lebensweltliche Zusammenhänge. Hierzu zählen Religion, Ethik, Recht, Technik, Bildungssysteme, materielle und immaterielle Produkte ebenso wie Umweltprobleme. Vor dem Hintergrund der beginnenden Auflösung nationalstaatlicher Strukturen und der verstärkten Etablierung transnationaler Organisationen wird gegenwärtig vielfach ein offener Kulturbegriff favorisiert. Imagen333„Kulturen“ werden in diesem Verständnis durch beliebige, mehr oder minder große Kollektive repräsentiert, die nach außen durch offene Netzwerkverbindungen charakterisiert sind. Eine Community im Internet stellt in diesem Sinne ebenso eine „Kultur“ dar, wie es bei einem Nationalstaat der Fall ist. Durch den offenen Netzwerkcharakter der jeweiligen Kollektive wird vor allem die Prozesshaftigkeit und Wandelbarkeit von „Kulturen“ betont.

Offener/geschlossener Kulturbegriff:
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Bedeutungsvielfalt des Kulturbegriffs: 
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Kulturbeschreibung –  In der Geschichte der interkulturellen Kommunikationsforschung sowie der Ethnologie wurden zahlreiche Methoden zur Kulturerfassung entwickelt. Kulturbeschreibungen finden auch im Bereich interkulturelle Trainings ihre Anwendung. Wie man vorgeht, hängt stark mit der Zielgruppe und ihrem Erkenntnisinteresse zusammen.

Makroperspektivische Kulturerfassung (z.B. Kulturdimensionen):
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Meso-/ Mikroperspektivische Kulturerfassung (z.B. Kulturelle Stile, Feldforschung):
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Integrative Perspektiven/ Zooming:
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Kulturschock – Ausgeprägte und stark persönlichkeitsverändernde Fremdheitserfahrung, die zu erheblichen Handlungshemmungen führt. Ein solcher „Kulturschock“ kann, muss aber keineswegs zwangsläufig auftreten, wenn man für einen längeren Zeitraum im Ausland lebt und in seine Heimat zurückkehrt. Demnach ist der Begriff kritisch zu betrachten, da er nur eine generelle Erklärung über den Gemütszustand einer Person in ungewohnten kulturellen Kontexten liefert. Weiterhin impliziert das Wort „Schock“ eine negative Reaktion im Hinblick auf neue kulturelle Erfahrungen. Der „Erfinder“ dieses Begriffs, Kalvero Oberg, hat bereits 1960 verschiedene Phasen des Kulturschocks beschrieben, die sich idealtypisch in einem U-förmigen Verlauf anordnen lassen. Sie lassen sich wie folgt beschreiben:
(1) Euphorie: Man freut sich auf das Neue und reagiert anfangs überschwänglich, weil man nur das (positiv) Erwartete wahrnimmt.
(2) Missverständnisse: Man erkennt die Normalitätsregeln der Zielkultur teilweise nicht und erzeugt Missverständnisse, weist sich aber als Neuankömmling die Schuld selbst zu.
(3) Kollisionen: Die Ursachen der Missverständnisse bleiben einem verborgen, man weist den anderen die Schuld zu, resigniert teilweise und neigt zu einer starken Aufwertung der eigenen Kultur.
(4) Unterschiede werden akzeptiert und Widersprüche ausgehalten. Man bemüht sich um ein Verstehen.
(5) Akkulturation: Man versteht die Unterschiede weitgehend und tendiert zur Übernahme fremdkulturspezifischer Verhaltensmerkmale.


Kulturwissen – Wissen nicht primär über kulturelle Fakten und „Normen“ als vielmehr über deren Hintergründe, Prozesse und die Systemzusammenhänge unterschiedlicher Kulturen.